Ich will schreiben!

Scheiss drauf! Ich will schreiben! Ich will es sehen, nochmal spüren wenn meine Augen darüber fliegen. Ich will schreiben, vom Gefühl nicht zu genügen und doch immer zu viel zu sein. Vom Licht das in mir brennt und zum quälenden Feuer werden kann, von all den Wirbelstürmen in meinem Gehirn die mich oft nicht zur Ruhe kommen lassen und mich antreiben.

Vom Ton der Klangschale der in Wellen durch mich schwamm wie durch warmes Mittelmeerwasser, sorglos und atemberaubend bunt und berechtigt genau da zu sein, wo er in dem Moment war, weil er mich wach rief. Vom kleinen und großen lieben und den Lieben die mich nie mehr verließen. Vom lieben lernen und dem Gefühl, zuhause zu sein – nämlich da, wo ich bin.

Vom allein fühlen als ich noch viel zu klein dafür war. Von verrückten Tierstimmen aus dem Schlafzimmer und dem Mund meiner Tante, abgeschlossenen Türen und dunklen Geheimnissen. Vom Glück des Spargel erntens, dem Taschentuch zwischen unseren Händen, von dem Moment, als ich am Telefon erfuhr, dass meine Großmutter sich umgebracht hat. Von den Gesichtern meiner Verwandten am Tag ihrer Beerdigung. Vom kalten Lächeln, sehen was man will, Erwartungen der Menschen. Von langen Wegen, vom lernen zu ertragen und zu tragen, vom ausbrechen und dem Herzen folgen.

Ich will schreiben von Trauer und Wut, vom Gefühl immer daneben zu stehen, vom Lachen das aus dem Körper bricht und Licht reinlässt. Von der Leidenschaft die in mir wohnt, dem Zergehen vor Wonne wenn meine Hände etwas erschaffen (eines der Dinge, die die Stürme in mir besänftigen), von Farbe, die vom Pinsel tropft, dick und wonnig, die das wird, was ich gerade denke. Von Stoff zwischen meinen Fingern, der Konzentration des Nähte nähens, das Gefühl, wenn es gut ist.

Von erregten Sinnen, endlosen Momenten die sich eingebrannt haben damit du sie immer wieder abspielen kannst. Vom zwischen den Tönen, Blicken und Wörtern lesen, von dem, was nur du und ich spüren können. Von träger Gelöstheit nach langen Nächten, von wundgeküssten, lächelnden Lippen. Von der Magie in allen Dingen, der Freude am da sein, am Morgen und am Gestern. Von Mädchenbier auf warmen Steinmauern, Musik und Freundschaft.

Ich will schreiben, egal wie durchschnittlich, egal, was ihr darüber denkt. Ich will es aus aus mir heraus tippen, den Wörtern Raum geben, mir eine Chance zum Seelenheil dazu.